Quo vadis Europa - Schwerpunkt Landwirtschaft

In kaum einer anderen Branche muss ein Unternehmer mit so starken Preisschwankungen leben wie in der Landwirtschaft. Das liegt besonders an der Abhängigkeit von immer wechselhafterem Wetter. Herr Cord Schütte, Gemeinderat Ganderkesee (CDU), hob die Bedeutung von Rücklagen für schlechte Jahre hervor, damit man in Krisenzeiten - wie nach der letztjährigen Dürre - nicht Milliardenhilfen einfordern muss.
Während Herr Andre Heinemann (Vorstand OV Hude, FDP) das Russlandembargo als Krisenverstärker nannte, meinte Frau Renate Geuter (ehem. Landtagsabgeordnete SPD), dass wir uns nicht auf die Exporte verlassen dürfen und Russland im Übrigen mittlerweile gute landwirtschaftliche Strukturen zur Eigenversorgung geschaffen hat.
Frau Geuter beklagte die niedrigen Lebensmittelpreise und die fehlende Wertschätzung der Menschen für gute Lebensmittel. Christian Suhr schloss in diesem Zusammenhang auch nicht die staatliche Regulierung von Preisen aus. Eduard Hüsers (Kreistagsabgeordenter Bündnis 90/Grünen - Oldb Land) sieht in der Gründung von Genossenschaften, in der Erzeugung von Qualitätsprodukten und in der Direktvermarktung Chancen, damit die Landwirte ihre Marktmacht verbessern, um kostendeckende Preise zu erzielen.
„Glyphosat" spaltete das Podium. Cord Schütte sah für den gezielten Einsatz doch große Vorteile für ihn. Andre Heinemann wünschte ein Verkaufsverbot in Baumärkten - ein Landwirt müsste Schulungen zur Anwendung machen, warum braucht das eine Privatperson nicht? Auch die Nutzung von Glyphosat in öffentlichen Räumen müsse nicht sein. Linke, SPD und Grüne sprachen sich klar für ein Verbot aus. Herr Logemann stellte heraus, dass es im Moment noch keine chemischen Alternativen gibt, die so wirksam wie Glyphosat sind.
Auf die Frage, wie viele Landwirte in 30 Jahren im Publikum sitzen werden (es waren ca. 60) so waren sich alle einig, dass es wahrscheinlich wesentlich weniger sein werden. In Zukunft brauchen wir noch besser qualifizierte Hofnachfolger, Betriebsleiter oder andere landwirtschaftliche Mitarbeiter/-innen. Wie viele es wirklich sein werden, hängt insbesondere davon ab, ob Politik die richtigen Weichenstellungen vornimmt, so Eduard Hüsers. Mündige, verantwortungsvolle Verbraucher/-innen, die wissen, dass leckere, und gesunde Lebensmittel und eine naturverträgliche Lebensmittelproduktion mehr kosten, wären sehr hilfreich.
Text: H. Schuster, J. Gräf
Bild: H. Schuster